Steuerberaterprüfung – das gefürchtete Examen

Sie kennen sich aus im Steuerdschungel. Dort wo andere die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, bewahren sie den Überblick – unsere Steuerberater. Doch das Examen zum Steuerberater gilt als eine der anspruchsvollsten Prüfungen in Deutschland. Kein Wunder, mit seinen mehr als 200 Steuergesetzen hat Deutschland im weltweiten Vergleich eines der schwierigsten Steuersysteme. Wir haben einmal ein paar grundlegende Informationen zur Steuerberaterprüfung für Sie zusammengetragen und zwei unserer Steuerberaterinnen gefragt, wie sie diese Zeit empfunden haben.

Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung

Um den geschützten Titel “Steuerberater/-in” tragen zu dürfen, ist eine umfassende theoretische und praktische Ausbildung notwendig. An deren Ende steht die anspruchsvolle staatliche Steuerberaterprüfung. Ihr hoher Schwierigkeitsgrad resultiert in den beruflichen Herausforderungen, die ein Steuerberater im Alltag zu bewältigen hat. Besteht man diese Prüfung, beweist man, dass man in der Lage ist, dem Beruf gerecht zu werden und ihn ordnungsgemäß auszuüben.

Die Steuerberaterprüfung führen die Steuerberaterkammern der jeweiligen Bundesländer durch. Bei der für Sie zuständigen Steuerberaterkammer stellen Sie auch den Antrag auf Zulassung zur Prüfung. Anmelden kann man sich von Anfang November bis Ende April. Die schriftliche Prüfung findet jedes Jahr bundeseinheitlich im Oktober statt.

Die Voraussetzungen für die Steuerberaterprüfung

Die Länge der praktischen Tätigkeit, welche man absolviert haben muss, um zur Steuerberaterprüfung zugelassen zu werden, ist abhängig von der eigenen akademischen bzw. berufspraktischen Vorbildung. Zur Übersicht hier einmal eine Grafik, die die unterschiedlichen Möglichkeiten auf dem Weg zur Steuerberaterprüfung aufzeigt.

Übersicht Steuerberaterprüfung

Auch von der persönlichen Seite her sollte man gewisse Voraussetzungen mitbringen: Neben Zielstrebigkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen sollte man keinerlei Vorstrafen besitzen, über einen festen Wohnsitz verfügen sowie in geordneten Vermögensverhältnissen leben, um im Bestellungsverfahren zum Steuerberater zu bestehen.

Finanzierung & Unterstützung durch den Arbeitgeber

Die Kosten für die Steuerberaterprüfung variieren von Steuerberaterkammer zu Steuerberaterkammer. Kostenpflichtig sind die Bearbeitung des Prüfungsantrages, für die man etwa 200 Euro einplanen sollte sowie die Prüfung an sich. Die Prüfungsgebühr liegt bei etwa 1.000 Euro. Genaue Informationen dazu findet man in der Gebührenordnung der zuständigen Steuerberaterkammer.

Durch den Kauf von Lernmaterialien, Prüfungs- und Fachliteratur sowie dem Besuch von Vorbereitungslehrgängen kommen weitere Kosten auf den Prüfling zu. Sollten Sie sich für die Absolvierung des Steuerberaterexamens entscheiden, unterstützt Sie die Connex gerne dabei – sowohl zeitlich als auch finanziell.

Die Vorbereitungsphase

Das Examen zum Steuerberater gilt als eine der anspruchsvollsten Prüfungen in Deutschland. Dementsprechend intensiv sollte die Vorbereitung auf diese Prüfung sein. Hierbei gibt es zahlreiche Anbieter, bei denen man sich professionelle Unterstützung suchen kann. Dazu zählen beispielsweise fachliche Vorbereitungskurse für das schriftliche Examen, welche meist in Form von Fernlehrgängen oder Samstagskursen durchgeführt werden, Klausurentrainings sowie Vorbereitungskurse für die mündliche Prüfung. Unsere Steuerberaterin Stephanie N. hat uns einmal von ihrer Vorbereitungszeit erzählt:

Steuerberaterin Stephanie Neigenfind

„Meine Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen hat 1 ½ Jahre vor der schriftlichen Prüfung begonnen. Zur Wissensvermittlung habe ich an Wochenendkursen/ Blockunterricht teilgenommen. Für die konkrete Vorbereitung auf die schriftliche und mündliche Prüfung habe ich zusätzlich noch Prüfungsvorbereitungs- und Klausurenkurse besucht. Vor allem während der intensiven, finalen Vorbereitungsphase hat man kaum noch Zeit für private Belange. In dieser Zeit ist es von Vorteil, wenn Partner, Familie und Freunde verständnisvoll mit dieser Situation umgehen und einen den Rücken freihalten.“

 

Der Prüfungsablauf

Die Prüfung setzt sich aus einem schriftlichen und einem mündlichen Prüfungsteil zusammen. Der schriftliche Teil findet bundeseinheitlich an drei aufeinander folgenden Tagen im Oktober statt und besteht aus drei Klausurarbeiten á 6 Stunden. Prüfungsrelevante Gebiete für den schriftlichen Teil sind unter anderem Berufsrecht, Volkswirtschaft, steuerliches Verfahrensrecht sowie Betriebswirtschaft und Rechnungswesen.

Nach erfolgreich bestandenem Examen erhält man eine Zulassung zur mündlichen Prüfung im Folgejahr. Diese besteht aus einem Kurzvortrag und diversen Fragerunden aus sechs Prüfungsgebieten. Zwar wird hier nur Basiswissen abgefragt, jedoch sind die Fragen teilweise sehr breit gefächert, was einen größeren Wissensumfang voraussetzt. Neben dem reinen Fachwissen spielen in der mündlichen Prüfung rhetorische Fähigkeiten und grundsätzliches Problemlösungsverhalten gegenüber Mandanten eine sehr große Rolle.

Die Leistungen aus Examen und mündlicher Prüfung werden gleich gewichtet. Als Bestanden gilt die Prüfung wenn der Notendurchschnitt mindestens 4,15 ergibt.

Die Bestellung zum Steuerberater

Wurde die Steuerberaterprüfung erfolgreich bestanden, darf man aber noch nicht die gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung „Steuerberater“ führen. Zunächst muss bei der zuständigen Steuerberaterkammer ein Antrag auf Bestellung zum Steuerberater gestellt werden. Dieser Antrag kann aber schon nach der schriftlichen Prüfung bei der Steuerberaterkammer eingereicht werden.

Erst wenn die zuständige Kammer den Antrag annimmt und eine Berufsurkunde aushändigt, kann man als Steuerberater tätig werden.

Unsere Niederlassungsleiterin Leipzig Trias, Sandra H., zieht folgendes Resümee:

Steuerberaterin Sandra Harnisch

„Nach meiner Ausbildung zur Steuerfachangestellten, dem anschließenden BWL-Studium und 3 Jahren Berufserfahrung, entschied ich mich, die Steuerberaterprüfung in Angriff zu nehmen. Die Vorbereitung auf die Prüfung erfolgte für mich in einem Vollzeitseminar, welches ich von Montag bis Freitag besuchte, da ich von meinem damaligen Arbeitgeber für diese Zeit freigestellt wurde. Hinzu kamen das Selbststudium sowie Klausurenkurse. Man steht einer unheimlichen Fülle an Lernstoff gegenüber. Die Prüfung und die Vorbereitung darauf sind zu dieser Zeit das Wichtigste im Leben. Alles andere muss sich unterordnen. Im Nachhinein betrachtet, war diese Zeit äußerst kräftezehrend und erforderte eine Menge Selbstdisziplin, aber ich bin sehr stolz und glücklich sie gemeistert zu haben und jetzt als Steuerberaterin arbeiten zu können.“

 

 

1 Kommentar

  1. Michaela Michaela
    10. Mai 2017    

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. Steuerberater sind analytische Menschen und werden so einen Ablauf wie bei der Prüfung eher gelassen sehen. Das schönes am Steuerrecht ist, dass man nie einrostet, da der Gesetzgeber ständig für neue Möglichkeiten sorgt die Mandanten zu beraten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.